Mit den Aktivitäten rund um das Activity Framework ist die Universität Graz nicht alleine. Zahlreiche, teils weltweite Initiativen, haben sich um das Thema „Leistungsdarstellung“ bzw. „Leistungsbeurteilung“ angenommen. Einige Länder und Universitäten haben bereits eigene Umsetzungen zur neue Leistungsdarstellung unternommen.
2022 unterfertigte die Universität Graz als erste österreichische Universität die CoARA Mitgliedschaft. Diese sieht 10 ‚Committments‘ vor, welche im Rahmen des Activity Frameworks berücksichtig wurden. Auch Arbeitsgruppen im ARQUS Netzwerk befassen sich mit dem Thema und liefern Input für die Umsetzung.
Aus diesen ‚FrontRunnern‘ und diversen Arbeitsgruppen und Unterlagen, hat sich die Universität Graz Ideen und Anleitungen abgeleitet, um eben das Activity Framework aus den Learnings der anderen und den internen Anforderungen zu gestalten. Der laufende Austausch mit unseren internationalen Partner:innen, wie auch nationalen Einrichtungen soll gewährleisten, dass das Activity Framework ein System bleibt, das iterativ ist und auf neue Umstände und Gegebenheiten eingehen kann.
CoARA Action Plan der Uni Graz
Das Activity Framework der Universität Graz ist eng mit den Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA) Zielen und Commitments verknüpft. Es wurde gezielt entwickelt, um die CoARA-Grundprinzipien wie Transparenz, Diversität und Qualitätsorientierung in den Fokus der Leistungsanerkennung im Wissenschaftssystem zu bringen. Durch die Unterzeichnung der CoARA Commitments im Jahr 2022 wurde die Entwicklung des Activity Frameworks an der Universität Graz intensiviert und auf internationale Standards ausgerichtet.
Das Activity Framework bringt die CoARA-Ziele in der täglichen Praxis zur Geltung, indem es den Erwartungssrahmen für wissenschaftliche Leistungen (über die klassische Metriken-Sicht hinaus) multiperspektivisch gestaltet. Kernelemente wie die Berücksichtigung von unterschiedlichen, auch qualitativen Beiträgen zu Wissenschaftsbetrieb, Forschung, Lehre, Nachwuchsförderung und Wissenschaftskommunikation entsprechen unmittelbar den CoARA-Leitlinien. Gleichzeitig wird durch die Einbindung standardisierter und optionaler Items Transparenz geschaffen und die Flexibilität für individuelle Karrierewege erhöht. Das AF verzichtet dabei explizit auf rein quantitative Bewertungsverfahren und auf starre Zielvorgaben—ebenfalls zentrale Forderungen von CoARA.
Zukunftsweisend sind die Maßnahmen, die auf Basis des Activity Frameworks entstehen: Die Einführung und Integration des Frameworks in bestehende Prozesse wie das jährliche Mitarbeiter:innengespräch fördern eine Kultur der Wertschätzung und Entwicklung. Durch regelmäßige Überprüfung und Anpassung der Items bleibt das System dynamisch und offen für Innovation. Bereits im Onboarding werden neue Mitarbeitende für die Prinzipien moderner Forschungsbewertung sensibilisiert. So trägt das Activity Framework entscheidend zur Transformation der Wissenschaftskultur bei und macht die Universität Graz zu einer Vorreiterin bei der Umsetzung CoARA-Standards in der akademischen Praxis.
Hier sind die 10 CoARA Commitments und deren konkrete Umsetzung an der Universität Graz (basierend auf dem CoARA Action Plan 2024–2027):
1. Anerkennung der Vielfalt wissenschaftlicher Beiträge und Karrieren Umsetzung: • Das Activity Framework und die Research Fora erfassen und bewerten eine breite Palette von Aktivitäten: Forschung, Nachwuchsförderung, Lehre, gesellschaftliches Engagement, Management und Transferleistungen. • Outreach und Lehre werden sowohl auf Abteilungs- als auch Individualebene berücksichtigt.
2. Primär qualitative Bewertung mit Peer Review, unterstützt durch verantwortungsvolle Nutzung quantitativer Indikatoren Umsetzung: • Peer Review ist zentral in Evaluationsverfahren und Berufungen. • Quantitative Indikatoren werden verantwortungsvoll eingesetzt; der h-Index wird vermieden und ggf. kritisch erläutert.
3. Verzicht auf unangemessene Nutzung von journal- und publikationsbasierten Metriken (z.B. Journal Impact Factor, h-Index) Umsetzung: • Journal Impact Factor und h-Index werden nicht als Hauptkriterien verwendet. • Bei Nachfrage wird über deren Schwächen informiert.
4. Vermeidung der Nutzung von Rankings von Forschungseinrichtungen in der Bewertung Umsetzung: • Rankings werden nicht für die Forschungsevaluation genutzt. • Daten aus Rankings (z.B. Leiden Ranking) werden nur in Kombination mit weiteren Indikatoren und Hintergrundinformationen verwendet.
5. Bereitstellung von Ressourcen für die Reform der Forschungsbewertung Umsetzung: • Finanzierung von Koordinationsstellen für das Activity Framework und die Research Fora. • Ressourcen für Workshops und die Einbindung von externen Expert*innen.
6. Kontinuierliche Überprüfung und Weiterentwicklung von Bewertungskriterien, Tools und Prozessen Umsetzung: • Regelmäßige Audits (z.B. FINEEC Quality Audit), Teilnahme an internationalen Projekten (Arqus R.I.), Task Force für alternative Forschungsbewertung und CoARA Working Groups.
7. Sensibilisierung, transparente Kommunikation, Schulungen und Guidance zu Bewertungskriterien und deren Anwendung Umsetzung: • Veranstaltungen, Workshops, Handbücher und regelmäßige Updates zum Activity Framework. • Trainings für Mitarbeitende und Führungskräfte.
8. Austausch von Praktiken und Erfahrungen für gegenseitiges Lernen innerhalb und außerhalb der Coalition Umsetzung: • Aktiver Austausch mit Partneruniversitäten (Arqus, Universities Austria, EUA, CoARA Working Groups). • Teilnahme an nationalen und internationalen Foren.
9. Kommunikation der Fortschritte bei der Umsetzung der Prinzipien und Commitments Umsetzung: • Veröffentlichung des Action Plans auf Zenodo und der Uni-Website. --> siehe dazu https://zenodo.org/records/12541677 • Aktive Kommunikation der Reform und laufende Berichterstattung.
10. Evaluation von Praktiken, Kriterien und Tools auf Basis von Evidenz und Stand der Forschung; offene Datenbereitstellung Umsetzung: • Laufende Analyse und Monitoring, Berücksichtigung von Forschung zu Forschungsbewertung. • Offenlegung von Daten für evidenzbasierte Weiterentwicklung.